Christine Erdmann (in Gelb) und Michael Tiemann
joggen vorneweg, die Laufgruppe der Therapeutischen
Einrichtung folgt ihnen. Foto: t&wLaufen bringt
neue Lebenslust
Patienten der Therapeutischen Einrichtung
joggen regelmäßig durch den Tiergarten
st Lüneburg. Wegrennen können sie nicht vor ihrer
Sucht. Aber Laufen hilft. Seit sechs Wochen joggen
die Bewohner der "Therapeutischen Gemeinschaft
Wilschenbruch" zweimal pro Woche durch den
Tiergarten. Die Stunde im Wald hilft dem von
mehreren Drogen abhängigen Patienten, wieder ein
Gefühl für ihren Körper zu entwickeln.
Heute sind 18 Läufer angetreten. Christine Erdmann
läuft vorneweg. Die Diplom-Lauftherapeutin verordnet
für den Anfang ein leichtes Programm: Gehen und
Laufen in drei Intervallen von je sieben Minuten, an
der Teufelsbrücke dann Gymnastik. Es geht nicht um
Höchstleistung: "Die Läufer können sich selber
spüren und richtig auspowern", beschreibt die
46-jährige den Nutzen der Sportstunde.
In der Therapieeinrichtung, die sich um mehr als 40
drogenabhängige Eltern und deren Kinder bis zu 16
Jahren kümmert, ist das Lauffieber ausgebrochen.
Angefangen hat es mit dem Lüneburger Firmenlauf. Die
stellvertretende Einrichtungsleiterin Heidrun
Girrulat gewann dabei ein Lauftraining, landete so
im Laufladen von Michael Tiemann am Schrangenplatz.
Und der spendet den Patienten Laufschuhe: "Das sind
Testschuhe, aber neuwertig. Zuerst waren es zehn
Paar, mittlerweile 25."
Der ein oder andere Läufer hat vielleicht am Anfang
nur auf die neuen Schuhe geschielt. Doch
mittlerweile sind alle mit Feuereifer dabei,
berichtet Girrulat. Manche Patienten seien durch
ihre Drogensucht auf bis zu 45 Kilo heruntergemagert,
nehmen dann in der Therapie übermäßig zu. "Da tut
ihnen das Laufen gut", hat Girrulat beobachtet. "Das
Training ist ganz eindeutig im Alltag zu spüren. Die
Patienten entwickeln ein Zusammengehörigkeitsgefühl,
neue Lebenslust und eine enorme Motivation." |