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Kinder, Übergewicht, Prä-Diabetis und Bewegungsmangel
Die Zahl der Menschen mit einem Typ 2-Diabetis (Alterszucker) steigt ständig. Sie wird auch künftig weiter steigen, da es eine enorm große Zahl an Menschen in einem vordiabetischen Zustand gibt. Den meisten ist die gesundheitliche Gefahr, in der sie leben und die vor allem durch die hohe Gefährdung im Hinblick auf Herz-Gefäßerkrankungen bedingt ist, nicht bewusst. Besonders traurig und dramatisch ist, dass die Zahl der betroffenen Kinder stetig ansteigt. Fast immer handelt es sich um übergewichtige oder sogar adipöse Kinder (Dr. Thomas Danne 2005). Es leiden heute schon vier bis acht Prozent der
Schulkinder nicht nur an Übergewicht, sondern an Adipositas. Sieben Prozent dieser Kinder leiden sogar schon an einer manifesten Typ-2-Diabetes.
Die Problematik ist äußerst vielschichtig, aber dennoch kristallisieren sich drei Hauptfaktoren für die Entstehung von Kinderadipositas heraus (Prof. Dr. Helmut Ebersdobler 2005). Eine kalorische Überversorgung, also eine zu große, unkontrollierte Nahrungsaufnahme, der sozioökonomische Status und
der durch die moderne Freizeitgestaltung unterstützte Bewegungsmangel.
Besonders schwer wiegt der dritte Punkt Bewegungsmangel. Körperlich wenig aktive Kinder sind als erwachsene fettsüchtig (Till Uwe Keil 2005). In einer federführend am Department of Internal Medicine University von New Mexiko in Albuquerque (USA) durchgeführten Langzeitstudie (10 Jahre) an 2287 Schulkindern im Alter zwischen neun und zehn Jahren wird eindeutig gezeigt, dass eine Verminderung der körperlichen Aktivität mit einer deutlichen Vermehrung von Fettsucht im Jugendlichenalter einher geht. Bei erwachsenen Übergewichtigen wissen wir, wie positiv sich körperliche Bewegung auf Köpergewicht und Fettsucht auswirkt. Eigenartigerweise ist der vielen Laien geläufige Zusammenhang zwischen mangelnder Bewegung und Fettsucht bei Kindern und Jugendlichen noch nicht wissenschaftlich untermauert worden.
Was ist zu tun?
Der renommierte englische Präventivmediziner John J. Reilly empfiehlt neben einer Reduktion der Energieaufnahme, Bewegungsprogramme. Dies sieht auch der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Prof. Dr. Ebersdobler so. Er gibt allerdings zu bedenken, dass die Umsetzung von Bewegungsprogrammen eine schwere Hürde darstellt, da Bewegung in den Bereich des Arbeitsstoffwechsels fällt und somit von vielen als unbequem und lästig empfunden wird.
Es ist also von äußerster Wichtigkeit ein ganzheitliches Programm für Kinder zu gestalten, in dem spielerische, kindgerechte
Bewegungsformen sowie eine einleuchtende, unkomplizierte Ernährungsunterrichtung für Kinder und ihre
Eltern einen Platz haben. Außerdem wird eine neue Methode (MCII, Prof. Dr. Oettingen 2005) zur Motivationssteigerung angewendet. Nur gemeinsam mit Kindern, Eltern, Ärzten und Therapeuten ist das Kinderübergewichtsproblem in den Griff zu bekommen. Das Lauftherapiezentrum Lüneburger Heide, dass seit
drei Jahren mit großem Erfolg Erwachsene betreut, beginnt Mitte Februar mit
einem eigens für übergewichtige Kinder konzipierten Programm.
Dr. Rüdiger Carlberg
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